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Leitlinien zur Karotisstenose

Therapie der asymptomatischen Karotisstenose

Deutsche S3-Leitlinie, Eckstein et al. 2012

  • Die Carotis-Thrombendarteriektomie (CEA) soll bei Patienten mit einer 60- bis 99-prozentigen asymptomatischen Karotisstenose erwogen werden, da das Schlaganfallrisiko bei diesen Individuen gering, aber statistisch signifikant reduziert wird (Evidenz-Stärke 1, starke Empfehlung)
  • Der Nutzen der CEA bei Patienten mit asymptomatischer Karotisstenose besteht nur, wenn die Behandlung mit einer Komplikationsrate von weniger als 3% durchgeführt wird (Evidenz-Stärke 1, starke Empfehlung)
  • Der Nutzen der CEA bei Patienten mit asymptomatischer Karotisstenose besteht vor allem für Männer und Patienten mit einer Lebenserwartung von mindestens 5 Jahren (Evidenz-Stärke 1, Empfehlung)
  • Bei erschwerten Bedingungen für eine CEA kann bei bestehender Therapieindikation in Zentren mit nachgewiesener Komplikationsrate <3% alternativ ein CAS (Carotis-Stenting) erwogen werden (Evidenz-Stärke 2b, “kann“-Empfehlung)

Leitlinie der European Society of Cardiology, Tendera et al. 2011

  • Bei asymptomatischen Patienten mit einer Karotisstenose > 60% sollte die CEA erwogen werden, so lange wie die perioperative Schlaganfall- und Sterblichkeitsrate für die durchgeführten Eingriffe bei dem chirurgische Team < 3% ist und die Patientenlebenserwartung 5 Jahre übersteigt (Klasse-IIA-Empfehlung / Evidenzlevel A)
  • Bei asymptomatischen Patienten mit einer Indikation zur Karotis-Revaskularisation kann ein CAS als Alternative zur CEA in Hochvolumenzentren mit einer dokumentierten Sterblichkeits- oder Schlaganfallrate < 3% erwogen werden (Klasse-IIB-Empfehlung / Evidenzlevel B)

Therapie der symptomatischen Karotisstenose

Deutsche S3-Leitlinie, Eckstein et al. 2012

  • Eine CEA wird für Patienten mit einer 70- bis 99-prozentigen Stenose nach TIA oder nicht behinderndem Schlaganfall empfohlen (Evidenz-Stärke 1a, starke Empfehlung)
  • Eine CEA soll auch bei Patienten mit einer symptomatischen Stenose von 50– bis 69-prozentigen erwogen werden. Männer mit kürzlich zurückliegenden hemisphäralen Symptomen (Amaurosis fugax, TIA, Schlaganfall modifizierte Rankin-Skala [mRS] < 3) profitierten am ehesten (Evidenz-Stärke 1a, starke Empfehlung)
  • Eine CEA wird nicht empfohlen für Stenosen unter 50% (Evidenz-Stärke 1a, starke “soll-nicht“-Empfehlung)
  • Es wird empfohlen, die CEA so früh wie möglich nach dem Indexereignis durchzuführen (Evidenz-Stärke 2, starke Empfehlung)
  • CAS sollte bei symptomatischen Patienten mit hohem chirurgischem OP-Risiko als eine Alternative zur CEA in Betracht gezogen werden (Evidenz-Stärke 2, Empfehlung)
  • CAS kann bei symptomatischen Patienten in Zentren mit dokumentierter Schlaganfallrate/Letalität von <6% als eine Alternative zur CEA erwogen werden (Evidenz-Stärke 2, “kann“-Empfehlung)

Die Stentbehandlung kann in folgenden Situationen Vorteile gegenüber der Operation bringen, wenn sie in einem erfahrenen Zentrum unter Einhaltung der Qualitätskriterien durchgeführt wird:

  1. Restenosen nach CEA
  2. radiogene Stenosen
  3. hochzervikale Stenosen
  4. Tandemstenosen mit höhergradiger intrakranieller Stenose
  5. Tandemstenosen mit höhergradiger intrathorakaler Stenose
  6. kontralaterale Parese des N. laryngeus recurrens
    (Evidenz-Stärke 2 bis 4, GCP = Good Clinical Practice = klinischer Konsens)

Leitlinie der European Society of Cardiology, Tendera et al. 2011

  • Bei Patienten mit einer symptomatischen 70- bis 99-prozentigen Stenose der A. carotis interna wird die CEA zur Vorbeugung eines rezidivierenden Schlaganfalls empfohlen (Klasse-I-Empfehlung / Evidenzlevel A)
  • Bei Patienten mit einer symptomatischen 50- bis 69-prozentigen Stenose der A. carotis interna sollte die CEA zur Vorbeugung eines rezidivierenden Schlaganfalls erwogen werden, abhängig von Patienten-spezifischen Faktoren (Klasse-IIA-Empfehlung / Evidenzlevel A)
  • Bei symptomatischen Patienten mit einer Indikation zur Revaskularisation sollte der Eingriff so schnell wie möglich erfolgen, optimal innerhalb von 2 Wochen nach Beginn der Symptome (Klasse-I-Empfehlung / Evidenzlevel B)
  • Bei symptomatischen Patienten mit hohem chirurgischem Risiko, die eine Revaskularisation benötigen, sollte ein CAS als Alternative zur CEA in Betracht gezogen werden (Klasse-IIA-Empfehlung / Evidenzlevel B)
  • Bei symptomatischen Patienten, die eine Karotis-Revaskularisation benötigen, kann ein CAS als Alternative zur CEA in Hochvolumenzentren mit einer dokumentierten Sterblichkeits- oder Schlaganfallrate < 6% erwogen werden (Klasse-IIB-Empfehlung / Evidenzlevel B)

Literatur

Eckstein H H, Kühnl A, Berkefeld J et al (2012) S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der extracraniellen Carotisstenose. AWMF-Register Nr. 004/028

European Stroke Organisation, Tendera M, Aboyans V, Bartelink ML et al.; ESC Committee for Practice Guidelines (2011) ESC Guidelines on the diagnosis and treatment of peripheral artery diseases: Document covering atherosclerotic disease of extracranial carotid and vertebral, mesenteric, renal, upper and lower extremity arteries: the Task Force on the Diagnosis and Treatment of Peripheral Artery Diseases of the European Society of Cardiology (ESC). Eur Heart J 32: 2851-2906