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Epidemiologie und Versorgungsrealität des AAA

Epidemiologie

Ein AAA ist typischerweise durch einen Aortendurchmesser von 3,0 cm und größer definiert. Populationsbezogene Studien fanden bei Männern im Alter von 50 und mehr Jahren eine Prävalenz des AAA von 3,9 % bis 7,2 %, bei gleichaltrigen Frauen von 1,0 bis 1,3 % (LeFevre et al. 2014). Mit dem Rückgang des Zigarettenkonsums scheint die Prävalenz abnehmend zu sein. In dem AAA-Screening-Programm des UK wurde aktuell eine AAA-Prävalenz bei den gescreenten 65-jährigen Männern von 1,5 % gefunden (Glover et al. 2014), was mit schwedischen Beobachtungen übereinstimmt (Svensjö et al. 2014). Dort war die AAA-Prävalenz bei 3268 zum AAA-Screening eingeladenen 65-jährigen Männern 1,5 % und nach 5 Jahren bei den zum Rescreening eingeladenen 70-Jährigen 2,4 %. In einer anderen schwedischen Untersuchung aus Ostgotland war die AAA-Prävalenz bei 70-jährigen Männern 2,3 % und damit halb so hoch wie vorhergesagt und – Patienten in Überwachung oder schon behandelte einkalkuliert – maximal 3,4 % (Hager et al. 2013).

Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 13.898 Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose eines nicht rupturierten AAA (ICD 10, I71.4) und 2160 Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose eines rupturierten AAA (ICD 10, I71.3) dokumentiert (Eckstein et al. 2014).

 

Postoperative Morbidität und Letalität in Registerstudien

In der National Inpatient Sample (NIS) der USA für die Jahre 2000 bis 2010 wurden 101.978 Patienten erfasst, davon 90.690 mit intaktem (iAAA) und 11.288 mit rupturiertem AAA (rAAA) (Dua et al. 2014). Die Inzidenz des nicht-rupturierten AAA wurde für das letztgenannte Jahr mit 12,8 /100.000 und die des rupturierten AAA mit 1,39 /100.000 berechnet. Frauen machten 21% aller Patienten aus. Für das Gesamtkrankengut wurde für die Versorgung des iAAA eine Klinikletalität von 3% angegeben, für die Patienten mit rAAA eine solche von 39%. 42.642 Patienten mit iAAA wurden offen (OR) und 48.048 Patienten endovaskulär (EVAR) versorgt, die Klinikletalität betrug bei OR 4%, bei EVAR 1%. Während die Klinikletalität bei OR über den Berichtszeitraum unverändert blieb, sank sie bei EVAR auf zuletzt 0,9%. Für die 9538 Patienten mit OR des rAAA wurde eine Klinikletalität von 41%, für 1750 Patienten mit EVAR des rAAA eine solche von 27% genannt. Hier kam es bei beiden Verfahren zu einem signifikanten Abfall der Klinikletalität über die Zeit, auf zuletzt 33,4% (OR) bzw. 19,8% (EVAR).

AAA Register der DGG (Debus et al. 2014)

Daten von 76 Zentren aus dem Jahr 2013

Von 2041 Patienten mit iAAA wurden 1489 (73%) endovaskulär und 552 (27%) offen versorgt.

EVAR bei iAAA73%

Mittleres Alter der Patienten mit EVAR 74 Jahre, Patienten mit OR 71 Jahre. 85% der Patienten waren Männer. Nach EVAR zeigten 87,6 % der Patienten einen komplikationslosen postoperativen Verlauf, nach OR 72,1%.

iAAA EVAR OR
Klinikletalität 0,9 % 5,3%
30-Tage-Letalität >80 Jahre 0,8% 10,6%
30-Tage-Letalität <80 Jahre 0,8% 4,2%
Dauer Intensivstation (Stunden) 24 48
Dauer stationärer Aufenthalt (Tage) 8 13

Von 216 Patienten mit rAAA wurden 75 (34,7%) endovaskulär und 141 (65,3%) offen versorgt.

EVAR bei rAAA34,7%

Mittleres Alter der Patienten mit  EVAR 79 Jahre, mit OR 75 Jahre. Nach EVAR zeigten 42,7% der Patienten einen komplikationslosen postoperativen Verlauf, nach OR 18,4%.

rAAA EVAR OR
Klinikletalität 30,7% 48,9%
30-Tage-Letalität >80 Jahre 38,2% 56,3%
30-Tage-Letalität <80 Jahre 19,5% 36,6%
Dauer Intensivstation (Stunden) 48 96
Dauer stationärer Aufenthalt (Tage) 10 13

Literatur

1.    LeFevre ML; U.S. Preventive Services Task Force (2014) Screening for abdominal aortic aneurysm: U.S. Preventive Services Task Force recommendation statement. Ann Intern Med 161: 281-290

2.    Glover MJ, Kim LG, Sweeting MJ, Thompson SG, Buxton MJ (2014) Cost-effectiveness of the National Health Service Abdominal Aortic Aneurysm Screening Programme in England. Br J Surg 101: 976-982

3.    Svensjö S, Björck M, Wanhainen (2014) Editor´s choice:  five-year outcomes in men screened for abdominal aortic aneurysm at 65 years of age: a population-based cohort study. Eur J Vasc Endovasc Surg 47: 37- 44

4.    Hager J, Länne T, Carlsson P, Lundgren F (2013) Lower prevalence than expected when screening 70-year-old men for abdominal aortic aneurysm. Eur J Vasc Endovasc Surg 46: 453-459

5.    Eckstein  H-H,  Reeps C,  Zimmermann  A, Söllner H (2014) Ultraschallscreening auf abdominale Aortenaneurysmen (AAA). Evidenz aus randomisierten Studien. Gefässchirurgie 19: 515–527

6.    Dua A, Kuy S, Lee CJ, Upchurch GR Jr, Desai SS (2014) Epidemiology of aortic aneurysm repair in the United States from 2000 to 2010. J Vasc Surg 59: 1512-1517

7.    Debus ES, Nüllen H, Torsello G et al (2014) Zur Behandlung des abdominellen Aortenaneurysmas in Deutschland: Qualitätssicherungsdaten 2013. Gefässchirurgie 2014; 19: 412-421