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Spezielle Fragestellungen zur kritischen Extremitätenischämie

Spezielle Fragestellungen

Hat das Geschlecht einen Einfluss auf die Ergebnisse der peripheren Bypasschirurgie?

Dieser Frage gingen Duffy et al. (2014) anhand der Datenbasis der Vascular Study Group of New England (VSGNE) nach. Eingeschlossen in die Studie wurden 1.864 konsekutive infrainguinale Bypässe wegen CLI und 712 Bypässe wegen Claudicatio intermittens bei 828 Frauen und 1748 Männern. Bei Frauen wurden 76%, bei Männern 71% aller Bypässe wegen CLI vorgenommen (P= 0,003). Die Frauen waren mit einem mittleren Alter von 70 Jahren älter als die Männer (68 Jahre) und hatten häufiger einen Bluthochdruck, aber die Prävalenz an Rauchern und Patienten mit koronarer Herzerkrankung war bei Frauen geringer. Die Bypässe wurden bei Männern häufiger als bei Frauen tibial (31% vs. 26%) und pedal (11% vs. 8%) angeschlossen. Infrainguinale Kunststoffprothesen wurden bei Frauen häufiger (30%) als bei Männern verwendet (23%).

Die postoperative Komplikationsrate (einschließlich Wundinfektionsrate) war zwischen beiden Geschlechtern vergleichbar, ausgenommen die Rate an Reoperationen wegen Bypass-Thrombose, die bei Frauen 4%, bei Männern aber nur 2% ausmachte. Bei Entlassung betrugen primäre Bypass-Offenheitsrate 94,3% (Frauen) bzw. 95,9% (Männer), assistierte primäre Offenheit 95,8% vs. 97,6% (keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern). Die Majoramputationsraten machten 2% vs. 1% aus, jedoch hatten Frauen eine geringere Rate an Minoramputationen (7% vs. 10%). Hinsichtlich der Krankenhaussterblichkeit unterschieden sich beide Geschlechter nicht (1,7%).

Bei Patienten mit CLI war die primäre Bypassoffenheitsrate im ersten Jahr nach dem Eingriff bei Frauen niedriger als bei Männern (Hazard Ratio 1,24), das gleiche galt für assistierte primäre Offenheit (Hazard Ratio 1,42) und sekundäre Offenheit (Hazard Ratio 1,40). Für Patienten mit Claudicatio ergaben sich hinsichtlich dieser Parameter keine Unterschiede. Die bei Frauen mit CLI reduzierten Bypassoffenheitsraten wirkten sich aber nicht negativ auf die Amputationsraten oder das Patientenüberleben aus. Hinsichtlich Freiheit von Majoramputationen unterschieden sich beide Geschlechter im 1-Jahres-Follow-up nicht (bei CLI 88% [Frauen] vs. 87% [Männer]). Das gleiche für das Langzeitüberleben nach 1 Jahr (bei Claudicatio: 98% [Frauen] vs. 96% [Männer], bei CLI 82% vs. 84%).

Frauen mit CLI waren bei Entlassung aus stationärer Behandlung häufiger nicht gehfähig als die Männer (13% vs. 9%), dies änderte sich auch nicht nach einem Jahr (nicht gehfähig: Frauen 13%, Männer 8%). Mehr Frauen als Männer mit CLI wurden postoperativ in ein Pflegeheim entlassen (44% vs. 35%) und verblieben dort nach 1 Jahr (11% vs. 7%). Letztere Unterschiede könnten darauf beruhen, dass im Alter mehr Frauen als Männer allein leben und Frauen einen höheren Prozentsatz der Pflegeheimbewohner ausmachen. Insgesamt gesehen waren aber die Ergebnisunterschiede zwischen beiden Geschlechtern nach Bypasschirurgie im Gegensatz zu anderen Vermutungen auffallend gering, sieht man von der poststationären Versorgung der Patienten ab.

Literatur

Duffy RP, Adams JE, Callas PW, Schanzer A Goodney PP, Ricci MA, Cronenwett JL, Bertges DJ; Vascular Study Group of New England (2014) The influence of gender on functional outcomes of lower extremity bypass. J Vasc Surg 60: 1282-1290