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Ökonomische Aspekte der kritischen Extremitätenischämie

Ökonomische und epidemiologische Aspekte

Malyar et al. (2013) analysierten deutschlandweit die stationären Krankenhausaufnahmen und Kosten wegen peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) für die Jahre 2005, 2007 und 2009. Unter 15 Millionen Hospitalisationen machte im Jahr 2005 die pAVK mit 400.928 Behandlungsfällen 2,7% aller Krankenhausaufnahmen aus, im Jahr 2009 waren es schon 483.961 Hospitalisationen (= 3,0% aller Krankenhausaufnahmen). 40,6% der Hospitalisationen wegen pAVK erfolgten im Jahr 2005 wegen CLI [Fontaine Stadium III, n= 46.045 (11,5%); Fontaine Stadium IV, n= 116.861 (29,1%)]. Im Jahr 2009 betrug der Anteil der CLI an allen Krankenhausaufnahmen wegen pAVK mit 210.619 stationären Aufnahmen 43,5%. Angaben zu den durchgeführten Interventionen finden sich in der Tabelle.

Die Majoramputationsrate sank im genannten Zeitraum von 4,6% auf 3,5% ab, während die Minoramputationsrate sich geringfügig steigerte (von 5,0% auf 5,1%). Die Studie zeigt die erhebliche ökonomische Belastung der Krankenversicherungen durch die stationäre Behandlung der pAVK. Die Krankenhauserstattungskosten machten im Jahr 2009 durchschnittlich €4506 für einen Patienten mit Claudicatio intermittens und €6791 für einen CLI-Patienten aus. Insgesamt stiegen die Kosten in 2 Jahren (von 2007 bis 2009) von €2,14 Milliarden auf € 2.56 Milliarden an, ein Anstieg um 21%. Patienten mit CLI waren überdurchschnittlich teuer, obwohl ihr Anteil nur 43,5% aller pAVK-Patienten ausmachte, belief sich ihr Anteil an den Kosten auf 52%.

Offene und endovaskuläre Behandlung bei kritischer Extremitätenischämie (CLI) – die BASIL-Studie

Hinsichtlich amputationsfreiem Überleben, Lebensqualität und Sterblichkeit jeglicher Ursache sollen mittelfristig Bypass und endovaskuläre Behandlung als Primärmaßnahmen bei CLI einander gleichwertig sein, wie die randomisierte BASIL-Studie ergab (Adam et al. 2005). Jedoch waren über die ersten 12 Monate der Behandlung gerechnet die mittleren Krankenhauskosten pro Patient in der Gruppe mit primärem Bypass um ein Drittel höher als bei primärer endovaskulärer Behandlung (23.322 £ vs. 17.419 £), was unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten für das endovaskuläre Vorgehen sprach.

Der Grund lag vor allem in dem längeren stationären Krankenhausaufenthalt bei primärem Bypass und einem häufigeren Bedarf an Intensivtherapie. Der Unterschied in den Kosten nivellierte sich im Langzeitverlauf, da der weitere Krankenhausgesamtaufenthalt in den nächsten 3 Jahren in der Bypass-Gruppe kürzer als in der endovaskulären Therapiegruppe war. Am Ende unterschieden sich beide Gruppen in diesem Parameter statistisch nicht mehr signifikant, die Differenz im Krankenhausaufenthalt betrug kumulativ 3 Tage (Hospitalaufenthalt im Mittel 57 Tage in der endovaskulären Gruppe, 60 Tage in der Bypass-Gruppe). Damit waren auch die kumulativen Kosten beider Verfahren nicht mehr statistisch signifikant unterschiedlich (Kosten Bypass über 3 Jahre 45.322 $, Angioplastie 39.801 $) (Forbes et al. 2010).

 Patienten mit Ruheschmerzen (pAVK Stadium III)Patienten mit Ulkus / Gangrän (pAVK Stadium IV)
Krankenhausaufnahmen (n)56.206154.413
Endovaskuläre Revaskularisation (n)11.70430.407
Embolektomie/Thrombektomie (n)11.38310.759
Endarteriektomie (n)8.72713.211
Bypässe (n)7.86817.421
Patchplastik (n)3.3464.395
Majoramputationen (n)81315.512
Minoramputationen (n)19023.859
Tod im Krankenhaus n (%)2.981 (5,3)12.978 (8,4)

Literatur

Adam DJ, Beard JD, Cleveland T et al.; BASIL trial participants (2005). Bypass versus angioplasty in severe ischaemia of the leg (BASIL): multicentre, randomised controlled trial. Lancet 366: 1925-1934

Forbes JF, Adam DJ, Bell J et al.; BASIL trial Participants (2010) Bypass versus Angioplasty in Severe Ischaemia of the Leg (BASIL) trial: Health-related quality of life outcomes, resource utilization, and cost-effectiveness analysis. J Vasc Surg 51: 43S-51S

Malyar N, Fürstenberg T, Wellmann J, Meyborg M, Lüders F, Gebauer K, Bunzemeier H, Roeder N, Reinecke H (2013) Recent trends in morbidity and in-hospital outcomes of in-patients with peripheral arterial disease: a nationwide population-based analysis. Eur Heart J 34(34): 2706-2714