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Spezielle Fragestellungen zum Dialysezugang

Spezielle Fragestellungen zum Dialysezugang

Shunt-induzierte Ischämie (Steal-Syndrom)

Über ihre Erfahrungen mit der distalen Revaskularisation und Intervall-Ligatur (DRIL-Prozedur) bei 77 Patienten (81 Eingriffe) mit arteriellem Steal-Syndrom nach Anlage eines Hämodialyse-Zugangs berichteten Aimaq und Katz (2013). Das DRIL-Verfahren besteht im Prinzip aus einem Bypass, der proximal vom Dialysezugang von der nativen Arterie ausgeht und unterhalb des Zugangs in eine Ausflussarterie mündet. Zusätzlich wird die distale Arterie distal des Dialysezugangs, aber proximal der distalen Bypass-Anastomose ligiert. Indikationen waren ischämische Symptome nach 37 autogenen brachiocephalischen Fisteln, 30 Überbrückungs-Prothesen und nach 14 autogenen brachiobasilischen Fisteln. Eine komplette Aufhebung der Symptome sahen die Autoren in 81,6% bei ischämischem Ruheschmerz, in 90,5% bei digitalen Ulzerationen und in 83,3% bei Fingergangrän. Lediglich bei neurologischen Defiziten waren die Ergebnisse weniger befriedigend (in 56,3% komplette Symptomaufhebung). Fistel- und brachiobrachiales Bypass-Überleben waren nach 5 Jahren 56% bzw. 96,9%.

Scali et al. (2013) gaben für 1882 Erst-Eingriffe als Hämodialyse-Zugänge (Katheterplatzierungen ausgeschlossen) eine Rate an Steal-Syndromen (Hand-Ischämien), die einer Behandlung bedurften, von 7,8% an. Ganz überwiegend wurde bei diesen Patienten zur Behandlung die DRIL-Prozedur ausgeführt (134 Eingriffe bei 126 Patienten), wobei für den DRIL-Bypass fast ausschließlich autogenes Material verwendet wurde. Die postoperative Komplikationsrate wurde über alles mit 27% berechnet, hauptsächlich Wundinfektionen (19%). Die 30-Tage-Sterblichkeit machte 2% aus, der mittlere Nachbeobachtungszeitraum betrug 14,8 Monate. Zu einer vollkommenen Symptom-Aufhebung kam es postoperativ in 82% der Fälle, 85% der Patienten konnten ihren Gefäßzugang weiter benutzen. Der kumulative Verlust an primärer und primär-assistierter Offenheit des DRIL-Bypass betrug nach 5 Jahren 22% bzw. 18%, die kumulative Inzidenz an Re-Interventionen nach 1 Jahr 15%, nach 5 Jahren 21%. Die Sterblichkeit jeglicher Ursache wurde mit 28% nach 1 Jahr und 79% nach 5 Jahren beschrieben. Die Autoren bezeichneten das DRIL-Verfahren als die Methode der Wahl zur Behandlung des Steal-Syndroms von Hämodialyse-Patienten.

Literatur

Aimaq R, Katz SG (2013) Using distal revascularization with interval ligation as the primary treatment of hand ischemia after dialysis access creation. J Vasc Surg 57: 1073-1078

Scali ST, Chang CK, Raghinaru D, Daniels MJ, Beck AW, Feezor RJ, Berceli SA, Huber TS (2013) Prediction of graft patency and mortality after distal revascularization and interval ligation for hemo dialysis access-related hand ischemia. J Vasc Surg 57: 451-458